Landkarte der Philosophie · Wie frei bin ich?
Richtung 2 von 3 an der Kreuzung
Hast du aus Neigung zugesagt oder aus einem Grund, der für jeden gelten könnte?
Was du auf diesem Weg gewinnst
Du lernst zu unterscheiden, ob dich bestimmt, wonach dir gerade ist, oder ein Grund, den du als vernünftiges Wesen vertreten kannst.
Wie diese Richtung zu den anderen steht
Redaktionell: Perspektivwechsel
Kant misst Freiheit nicht daran, ob du einen Wunsch bejahst, sondern daran, ob der Grund deines Handelns aus der Vernunft stammt, und kann deshalb im selben Fall anders urteilen als Frankfurt; die Gegenüberstellung ist redaktionell.
Das Kernargument
Kant nennt einen Willen autonom, wenn er einem Gesetz folgt, das er sich selbst gibt, und heteronom, wenn er die Regel seines Handelns in dem sucht, was er gerade begehrt. Weil ein Wille wie eine Ursache nach einer Regel wirkt und Naturgesetze nicht die Regel vernünftigen Wollens sein können, muss das Gesetz aus der Vernunft selbst stammen. Darum gilt es für alle vernünftigen Wesen gleich und ist keine Regel nach Laune. Frei bist du nach Kant also, wenn dich ein Gesetz bindet, das du dir als vernünftiges Wesen selbst gibst.
Am Fall
Kant spricht nicht über deinen Abend, das Folgende ist eine Übertragung. Sagst du Ja, weil du die Enttäuschung der anderen Person nicht aushältst, bestimmt dich eine Neigung, sagst du Ja, weil du Helfen als Pflicht erkennst, die für jeden gilt, handelst du aus einem Grund der Vernunft. Weil die Pflicht zu helfen nach Kant Spielraum lässt, wäre auch ein Nein an diesem Abend nicht ausgeschlossen, entscheidend ist der Grund.
Ein ernsthafter Einwand
Ob Kants Schritt von der Freiheit zur Bindung an das moralische Gesetz trägt, ist unter Fachleuten umstritten, denn ein von Neigungen freier Wille könnte sich auch nur klug nach seinen Zielen richten. Kant räumt selbst ein, dass die theoretische Vernunft nicht zeigen kann, dass unser Wille frei ist.
Quellen dieser Richtung
- Kant’s Moral Philosophy (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 10. Autonomy; 5. The Formula of the Universal Law of Nature; 13. Normative Ethical Theory (Hilfspflicht „wide and imperfect“)
- Immanuel Kant (Internet Encyclopedia of Philosophy), 5. Moral Theory
- Autonomy in Moral and Political Philosophy (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 1.1 Basic Distinctions
Wie es weitergeht
Vertiefen in Station 2: Wie frei bin ich, wenn ich einem Wunsch nicht widerstehen kann?
Fertig mit dieser Richtung?
Abgeschlossen ist die Richtung erst, wenn du es hier selbst markierst. Aufrufen zählt nur als geöffnet.
Redaktionelle Kreuzung: keine historische Abstammungslinie.