Landkarte der Philosophie · Was ist gerecht?
Richtung 3 von 3 an der Kreuzung
Was können die drei mit ihrem Anteil tatsächlich tun?
Amartya Sen und Martha Nussbaum
Was du auf diesem Weg gewinnst
Du siehst, dass gleiche Mittel nicht schon gleiche Möglichkeiten bedeuten.
Wie diese Richtung zu den anderen steht
Redaktionell: Perspektivwechsel
Diese Richtung fragt eine Ebene tiefer, was überhaupt verglichen werden soll: Sen entwickelte den Ansatz in Kritik am Nutzenmaßstab und an Maßstäben, die nur Mittel zählen, und Fähigkeitentheoretiker schlagen ihn auch als Alternative zu Rawls' Grundgütern vor.
Das Kernargument
Amartya Sen kritisiert, dass der Nutzenmaßstab und Maßstäbe, die nur Güter und Mittel zählen, zu wenig darüber sagen, was Menschen tatsächlich tun und sein können. Zwei Menschen mit gleichen Mitteln erreichen je nach Gesundheit, gesellschaftlichen Normen und Umgebung sehr Verschiedenes. Wer nur Zufriedenheit misst, kann sich außerdem täuschen, weil Menschen in Entbehrung ihre Erwartungen senken. Martha Nussbaum hat den Ansatz wesentlich weiterentwickelt und verlangt, dass jeder Mensch bei grundlegenden Fähigkeiten eine Schwelle erreicht.
Am Fall
Der Ansatz dient vor allem dem Vergleich von Lebenslagen, und Nussbaums Schwellen richten sich an Staaten; auf einen Bonus übertragen ist er nur eine Veranschaulichung. Braucht die Kollegin, die krank war, einen Teil ihres Geldes, um wieder voll arbeiten zu können, hat sie bei gleichem Betrag weniger für anderes übrig. Der Ansatz fragt dann, was in ihrer Lage nötig wäre, damit sie dieselben Möglichkeiten hat.
Ein ernsthafter Einwand
Anhänger von Rawls halten die Kritik an den Grundgütern für überzogen, weil Rawls besondere Bedürfnisse durchaus berücksichtige. Andere halten beide Ansätze für schwer vergleichbar, weil der Fähigkeitenansatz vor allem einen Maßstab für Vergleiche liefert und keine ganze Theorie politischer Gerechtigkeit.
Quellen dieser Richtung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, 1.1 Background: Critique of other accounts (Sen, Equality of What?, Kritik an Utilitarismus und Ressourcenmaßstäben, gesenkte Erwartungen); 2.3 Conversion factors; 2.4 The means-ends distinction; 4. The possibility of a capability theory of justice (Grundgüter, Vergleichbarkeit)
Wie es weitergeht
Vertiefen in Station 5: Reicht gerechte Verteilung, wenn Menschen nicht gesehen werden?
Fertig mit dieser Richtung?
Abgeschlossen ist die Richtung erst, wenn du es hier selbst markierst. Aufrufen zählt nur als geöffnet.
Redaktionelle Kreuzung: keine historische Abstammungslinie.