Landkarte der Philosophie · Was ist gerecht?
Richtung 1 von 3 an der Kreuzung
Welche Regel wäre fair, wenn du nicht wüsstest, wer von den dreien du bist?
Was du auf diesem Weg gewinnst
Du gewinnst einen Prüfstein für Regeln, mit dem du erkennst, ob jemand sie auf den eigenen Vorteil zugeschnitten hat.
Wie diese Richtung zu den anderen steht
Redaktionell: Perspektivwechsel
Rawls fragt nach fairen Regeln für die Einrichtungen einer Gesellschaft, Nozick nach rechtmäßigen Ansprüchen auf einzelnen Besitz; nach der Stanford Encyclopedia gehen beide von derselben Kritik am Nutzendenken aus und ziehen daraus verschiedene Folgen.
Das Kernargument
Kennen Menschen ihre Lage, können Mächtigere und Wohlhabendere Regeln zu ihren Gunsten durchsetzen. Rawls denkt deshalb eine Lage, in der niemand weiß, ob er reich oder arm, begabt oder weniger begabt ist, und hält die dort gewählten Grundsätze für gerecht. Gewählt würden nach ihm gleiche Grundfreiheiten mit Vorrang, faire Chancengleichheit und Ungleichheiten nur, wenn sie den am schlechtesten Gestellten den größtmöglichen Vorteil bringen. Gegen die Nutzenrechnung setzt er, dass Menschen getrennte Personen sind und der Schutz des Einzelnen nicht gegen den Gewinn anderer verrechnet werden darf.
Am Fall
Rawls' Grundsätze gelten der Grundordnung einer Gesellschaft und nicht einem Teambonus, was folgt, ist deshalb nur eine Veranschaulichung. Legt das Team die Regel für künftige Projekte fest, ohne zu wissen, wer welche Rolle hat, reicht es nicht, dass der Vater und die Kranke etwas mehr bekommen als bei gleichen Anteilen. Gesucht ist die Regel, unter der sie am besten dastehen.
Ein ernsthafter Einwand
Robert Nozick hält dagegen, dass es auf die Geschichte eines Besitzes ankommt, und sieht in Rawls' Verfahren schon eine Vorentscheidung gegen Ansprüche, die aus dieser Geschichte folgen. John Harsanyi meint, vernünftige Wähler ohne Wissen über ihre Lage würden den durchschnittlichen Nutzen möglichst groß machen.
Quellen dieser Richtung
- John Rawls (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 4.1 The Basic Structure of Society; 4.3 The Two Principles of Justice as Fairness; 4.7 The Argument from the Original Position: The Selection of Principles
- Original Position (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 2. The Original Position and Social Contract Doctrine (Nozick 1974); 3. The Veil of Ignorance
- John Rawls (Internet Encyclopedia of Philosophy), 2. b. Utilitarianism as the Principal Opponent; 2. c. i. The Conditions and Purpose of the Original Position
- Robert Nozick's Political Philosophy (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 4.1 The Historical Entitlement Doctrine about Justice in Holdings (gemeinsame Kritik von Rawls und Nozick am Utilitarismus)
Wie es weitergeht
Vertiefen in Station 3: Was würdest du wählen, wenn du nicht wüsstest, wer du bist?
Fertig mit dieser Richtung?
Abgeschlossen ist die Richtung erst, wenn du es hier selbst markierst. Aufrufen zählt nur als geöffnet.
Redaktionelle Kreuzung: keine historische Abstammungslinie.