Martin Heidegger
1889–1976 · Meßkirch, Marburg, Freiburg, Meßkirch, Freiburg
- Kapitel
- Phänomenologie und Existenzialismus (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Richtung
- Phänomenologiebelegt[1][9]ExistenzialismusDeutung[10][11]
- Kants Fragen
- Was ist der Mensch? · Was kann ich wissen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Fachlexikon
- Eigener Artikel in der Stanford Encyclopedia of Philosophy
Kommt in diesen Denkwegen vor
Deutscher Philosoph, der in Sein und Zeit (1927) die Frage nach dem Sein vom alltäglichen menschlichen Dasein her neu stellt, damit die Existenzphilosophie des 20. Jahrhunderts prägt und zugleich wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus bis heute umstritten bleibt.
Heidegger ist der Dreh- und Angelpunkt von Phänomenologie und Existenzialismus: Er übernimmt die Phänomenologie von Husserl, greift Themen von Kierkegaard und Nietzsche auf und prägt Jaspers, Sartre und viele weitere. Sein Engagement für den Nationalsozialismus ist zugleich der Streitpunkt, an dem sich die Frage nach dem Verhältnis von Denken und Haltung entzündet.
Kernidee
Heidegger fragt nicht, was der Mensch ist, sondern wie Menschen immer schon in einer Welt leben und diese verstehen. Dieses Dasein ist durch Sorge bestimmt (dadurch, dass es dem Menschen in seinem Leben immer um sich selbst und um die Dinge in seiner Welt geht), und der Alltag verliert es im Man, dem anonymen Mitmachen aller. Zeitlichkeit, also die Endlichkeit des Lebens, ist der Horizont, aus dem Sein überhaupt verständlich wird.
Bekannt für
Man kennt Heidegger für Sein und Zeit und für Begriffe wie Dasein, Sorge und das Man. Ebenso bekannt ist seine Zeit als Rektor der Universität Freiburg 1933 und sein Eintritt in die NSDAP (die Partei Adolf Hitlers) am 1. Mai 1933.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Dasein und Sorge
Dasein nennt Heidegger den Menschen als verstehendes Seiendes, das immer schon in eine Welt eingebunden ist. Die Grundstruktur dieses Daseins ist die Sorge, aus der er die weiteren Bestimmungen ableitet (nach der deutschen Wikipedia). Wer morgens in ein Meeting geht, steht nicht neutral vor Daten, sondern ist schon mit Erwartungen, Rollen und Sorgen in der Situation.
Das Man
Das Man ist nach der deutschen Wikipedia das entwurzelte Dasein des Alltags, in dem man tut, was man eben tut. Die SEP führt es neben Angst, Eigentlichkeit (einem Leben, das man selbst ergreift, statt in der Anpassung aufzugehen) und Tod als Schlüsselbegriff. Wer in einer Organisation Entscheidungen mit dem Satz begründet, so mache man das eben hier, folgt dem Man und trifft keine eigene Wahl.
Zeitlichkeit und die Kehre
Zeitlichkeit ist der Horizont, aus dem Sein verständlich wird. Nur etwa ein Drittel des geplanten Buches Sein und Zeit erschien, später wendet sich Heidegger in den 1930er Jahren (nach der deutschen Wikipedia zwischen 1930 und 1938) einem seinsgeschichtlichen Denken zu (der Ansicht, dass sich das Verständnis von Sein über die Epochen verändert), der sogenannten Kehre. Planst du ein Projekt über drei Jahre, planst du innerhalb einer Zeit, die du nicht in der Hand hast, und dieser Horizont prägt deine Entscheidungen mehr, als der Projektplan zeigt.
Begriffe
- Dasein
- : Heideggers Wort für den Menschen als verstehendes Wesen, das sich und seine Welt immer schon versteht und deshalb nach dem Sein fragen kann
- In-der-Welt-sein
- : der Mensch steht nicht außerhalb der Welt, sondern lebt immer schon in einem sinnvollen Geflecht von Bezügen
- Sorge
- : die Grundverfassung des Daseins: Dem Menschen geht es immer um sein eigenes Sein, und er ist offen für eine Welt, die ihn angeht
- das Man
- : die unpersönliche Seinsweise des Alltags, in der man tut, was man eben tut, und sich so die eigene Wahl abnehmen lässt
- Zeitlichkeit
- : die Zeit, die zum Dasein selbst gehört und ursprünglicher ist als die Uhrzeit; aus ihr wird Sein überhaupt verständlich
- ontologische Differenz
- : der Unterschied zwischen dem Sein als Verständnishorizont und dem Seienden, also den einzelnen Dingen, die in diesem Horizont begegnen
- Kehre
- : Heideggers Umdenken zwischen etwa 1930 und 1938, weg vom Ansatz in Sein und Zeit hin zum Denken der Geschichte des Seins
- Sein zum Tode
- : das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit als Weg zu einem eigentlichen Leben
- Existenz vor Wesen
- : Der Mensch hat kein vorgegebenes Wesen, das ihn festlegt, sondern bestimmt erst durch seine Entscheidungen und sein Handeln selbst, wer er ist.
- Gelassenheit
- : die Fähigkeit, auch in schwierigen Lagen ruhig und gefasst zu bleiben, statt dich von Aufregung oder Angst mitreißen zu lassen.
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
28 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 7 belegt, 4 Deutung, 17 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- In der angegebenen Quelle dokumentiert und anhand dieser Quelle geprüft. Die philosophische These ist dadurch nicht bewiesen.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung, anhand der angegebenen Quellen geprüft. Andere Lesarten sind möglich.
- überliefert
- In den angegebenen Quellen überliefert, historisch aber nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: hat Heidegger unterrichtet.
Edmund HusserlPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Heidegger war ab 1919 oder 1920 Husserls Assistent, widmete ihm Sein und Zeit und folgte ihm 1928 auf den Lehrstuhl.
Schüler
Persönliches Lehrverhältnis: wurden von Heidegger unterrichtet.
Günther AndersPrüfstand: belegt
Anders studierte unter anderem bei Heidegger; laut englischer Wikipedia lernte er Hannah Arendt in Heideggers Seminar kennen.
Hannah ArendtPrüfstand: belegt
Arendt studierte ab 1924 ein Jahr lang in Marburg Philosophie bei Heidegger, und die beiden hatten eine kurze, heimliche Liebesbeziehung. Nach der Stanford Encyclopedia prägte diese Begegnung ihr Denken dauerhaft. Von Heidegger übernahm sie die Art, die Begriffe der philosophischen Überlieferung so zu lesen, dass ihre ursprüngliche Bedeutung unter späteren Verzerrungen wieder sichtbar wird.
Hans JonasPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Heidegger betreute Jonas' Dissertation von 1928, ab 1964 distanzierte sich Jonas öffentlich.
Herbert MarcusePrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Marcuse studiert bei Heidegger in Freiburg, wendet sich nach 1933 ab.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Karl JaspersPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Freundschaft ab 1920, nach Heideggers NSDAP-Eintritt und Rektoratsrede 1933 der Bruch.
Paul TillichPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
In Marburg 1924 bis 1925 entwickelte Tillich laut Wikipedia (en) ein fachliches Verhältnis zu Rudolf Bultmann und Martin Heidegger.
Kritisiert
Heidegger kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Jean-Paul SartrePrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Heidegger sah Sartres Humanismus als weitere metaphysische Perspektive, die nicht zur Frage nach dem Sein zurückkehrt.
Max SchelerPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Heidegger würdigte Scheler im Nachruf, kritisierte aber dessen Anthropologie als Additionsmodell (Wikipedia de).
Wird kritisiert von
Kritik an einer bestimmten These von Heidegger. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Emmanuel LevinasPrüfstand: belegt
Levinas wendet sich gegen Heideggers Vorrang der Frage nach dem Sein. Für Heidegger ist die Lehre vom Sein die erste Philosophie, für Levinas ist es die Ethik, die aus der Begegnung mit einem anderen Menschen entsteht. In Heideggers Denken der Existenz sieht er bloße Teilhabe am Sein, in der der Andere nicht als wirklich anderer vorkommt.
Günther AndersPrüfstand: belegt
Im amerikanischen Exil setzte sich Anders intensiv mit Heideggers Philosophie auseinander und bemühte sich um eine kritische, historische Einordnung; dazu veröffentlichte er 1946 bzw. 1948 die Aufsätze „Nihilismus und Existenz“ und „On the Pseudo-Concreteness of Heidegger's Philosophy“.
Hannah ArendtPrüfstand: belegt
Arendt war von Heideggers Einsatz für den Nationalsozialismus enttäuscht und traf ihn erst bei ihrer Deutschlandreise 1949/50 wieder. In ihrem Aufsatz „Was ist Existenzphilosophie?“ (1946) schrieb sie ihm eine Nähe zum modernen Nihilismus zu: Indem er das Dasein vom Tod her deute, begründe er die Nichtigkeit des Seins. Sie hielt dagegen, dass der Mensch kein Gott ist und mit seinesgleichen zusammen in einer Welt lebt.
Rudolf CarnapPrüfstand: Deutung
In der Überwindung der Metaphysik erhob Carnap den Vorwurf der Sinnlosigkeit gegen die Metaphysik und kritisierte unter den Zeitgenossen vor allem Heidegger.
Edith SteinPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Laut SEP bot ihre späte Ontologie eine christliche Alternative zu Heideggers Verständnis des Seins als Endlichkeit.
Martin BuberPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
In Gottesfinsternis setzt sich Buber mit Heidegger und Sartre auseinander und lehnt das geschlossene Subjekt ab.
Theodor W. AdornoPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Adorno lehnte Heideggers Fundamentalontologie als idealistisch ab und kritisierte sein Vokabular im Jargon der Eigentlichkeit.
Übernimmt Gedanken von
Heidegger übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
AristotelesPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Aristoteles prägte seine Frage nach dem Sein, laut Literatur
Franz BrentanoPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Wikipedia de vermerkt, dass Heidegger stark von Brentano beeinflusst wurde.
Søren KierkegaardPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Wikipedia de nennt Kierkegaard in Sein und Zeit, sein Einfluss reichte weiter als die Verweise.
Grundlage für
Übernehmen oder entwickeln einen Gedanken von Heidegger weiter, meist über Texte.
Emmanuel LevinasPrüfstand: belegt
Levinas besuchte Ende der 1920er Jahre in Freiburg Heideggers Seminar, und die Stanford Encyclopedia nennt Husserl und Heidegger seine beiden wichtigsten Lehrer. Von Heidegger übernahm er den Gedanken, dass der Mensch sich in seine Welt geworfen findet, ohne über seine Geburt und seinen Tod zu verfügen.
Giorgio AgambenPrüfstand: Deutung
en.wikipedia nennt Heidegger unter seinen stärksten Einflüssen; 1966 und 1968 besuchte Agamben dessen Seminare in Le Thor.
Hubert DreyfusPrüfstand: belegt
Dreyfus überträgt Heideggers Kritik an der rationalistischen Philosophie auf die künstliche Intelligenz und nutzt dessen Unterscheidung von Vorhandenem und Zuhandenem für das Wissen wie.
Jean-Luc NancyPrüfstand: Deutung
Nancy übernimmt Heideggers Rückzug des Seins und stellt das Mitsein vor das einzelne Dasein.
Jacques DerridaPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Die Dekonstruktion knüpft laut deutscher Wikipedia an Heideggers „Destruktion“ an.
Jean-Paul SartrePrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Von Heideggers Existenzphilosophie geprägt, laut SEP-Heidegger belegt
Untersucht
Heidegger untersucht, kommentiert oder deutet das Werk, ohne die Gedanken als eigene Position weiterzuführen.
untersucht Friedrich NietzschePrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Heidegger deutete Nietzsches Willen zur Macht metaphysisch (Wikipedia de).
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Zhuangzi (Zhuang Zhou)Prüfstand: Deutung
Rezeption und Vergleich: Heidegger ließ sich 1930 nach einem Vortrag das Buch Zhuangzi bringen und las daraus „Die Freude der Fische“ vor; die deutsche Wikipedia hält einen Einfluss für denkbar, belegt ist er nicht, und vergleichende Studien stellen beide nebeneinander (de.wikipedia Wirkung und Rezeption, Im Westen).
José Ortega y GassetPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Die englische Wikipedia nennt Ortegas Ansatz einen Proto-Existenzialismus vor Heidegger, die deutsche beschreibt das Massenphänomen bei beiden phänomenologisch, ein direktes Verhältnis ist nicht belegt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Heidegger wurde am 21. April 1933 Rektor der Universität Freiburg und trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein, der er bis 1945 angehörte. Am 27. Mai 1933 hielt er die Rektoratsrede Die Selbstbehauptung der deutschen Universität (darin forderte er eine Erneuerung der Universität und nutzte nationalsozialistische Begriffe wie „Führer“ und „Volksgemeinschaft“) und trat am 27. April 1934 zurück, weil seine hochschulpolitischen Pläne nicht genug Unterstützung fanden. Während seines Rektorats wurden jüdische Kollegen entlassen, und er denunzierte nach der deutschen Wikipedia zwei Kollegen. Die SEP sagt, sein Engagement für den Nationalsozialismus und sein Antisemitismus seien dokumentiert und seine spätere Darstellung sei hoch umstritten.[2]
Zeitgeschehen Deutung
Die Schwarzen Hefte, Heideggers Denktagebücher von 1931 bis in die 1970er Jahre, erschienen ab 2014 als Bände 94 bis 96 der Gesamtausgabe und enthalten bis dahin unbekannte antisemitische Äußerungen. Der Herausgeber Peter Trawny spricht von einem seinsgeschichtlichen Antisemitismus, also von Äußerungen, die in die Philosophie einfließen. Trawny versteht diese Deutung ausdrücklich als Vorschlag, und ob die Hefte das Gesamtwerk belasten, wird weiter diskutiert.[2]
Abhängigkeit belegt
Nach 1945 prüfte ein Entnazifizierungsverfahren (die Überprüfung früherer Nationalsozialisten, die die Besatzungsmächte nach dem Krieg anordneten) Heideggers Rolle. Karl Jaspers schlug im Dezember 1945 in einem Gutachten eine Suspendierung für einige Jahre vor, am 19. Januar 1946 entzog der Senat die Lehrbefugnis, und die französische Militärregierung bestätigte das Verbot am 5. Oktober 1946. Das Lehrverbot endete 1951 mit der Emeritierung, die SEP nennt 1949 als Aufhebung des Verbots.[1]
Kritik
Adorno kritisierte Heideggers Sprache in der Schrift Jargon der Eigentlichkeit, und Sternberger bemängelte, dass man auf seine Terminologie nur mit seinen eigenen Begriffen antworten könne. Hannah Arendt verteidigte 1969 sein Denken, kritisierte aber seine politische Haltung. Die Debatte um die Schwarzen Hefte stellt seit 2014 die Frage, ob und wie der Antisemitismus sein Denken selbst betrifft.
Wirkung heute
Heideggers Analyse von Alltag, Stimmung und Sorge wirkt in Phänomenologie, Psychotherapie und Pflegewissenschaft weiter. Wer ihn heute liest, muss seine Nähe zum Nationalsozialismus mitdenken, und die Frage, wie weit sie sein Werk betrifft, bleibt offen.
Brücke zu Führung und Coaching
Heideggers Man hilft dir zu erkennen, wo in deinem Team etwas nur deshalb gemacht wird, weil man es immer so gemacht hat. Frage dich: Welche Gewohnheit in unseren Meetings würde ich nicht wieder einführen, wenn ich heute neu anfangen könnte? Und wer im Team traut sich, das laut zu sagen?
Zitate
„Die Sprache ist das Haus des Seins. In ihrer Behausung wohnt der Mensch.“
Lebensstationen
- 1889Geboren am 26. September in Meßkirch
- 1927Sein und Zeit erscheint, Heidegger ist ab 1923 in Marburg
- 1928Nachfolger Husserls auf dem Freiburger Lehrstuhl
- 1933Rektor der Universität Freiburg am 21. April, NSDAP-Eintritt am 1. Mai
- 1946Entzug der Lehrbefugnis (Senatsbeschluss vom 19. Januar 1946, Bestätigung durch die französische Militärregierung am 5. Oktober 1946). Das Lehrverbot wird nach der SEP 1949 aufgehoben, nach der deutschen Wikipedia endet es 1951 mit der Emeritierung.
- 1976Tod am 26. Mai in Freiburg, Beisetzung in Meßkirch
Werke
- Sein und Zeit (1927)
- Die Frage nach der Technik (1954)
Ersterscheinung: in: Vorträge und Aufsätze, Pfullingen: Günther Neske, 1954; in der Gesamtausgabe Band 7 (2000). Zuerst als Vortrag 1953, Vortrag vor der Bayerischen Akademie der Schönen Künste; der genaue Tag und die Vortragsreihe sind in den abgerufenen Quellen nicht genannt; die gedruckte Fassung ist davon getrennt angegeben.
Sein und Zeit (1927)
Kant und das Problem der Metaphysik (1929)
Was ist Metaphysik? (1929)
Der Ursprung des Kunstwerkes (1935)
Brief über den Humanismus (1946, erschienen 1947)
Schwarze Hefte (Gesamtausgabe Bände 94 bis 96, 2014)
Anekdote belegt
1927 widmete Heidegger Sein und Zeit seinem Lehrer Husserl in dankbarer Verehrung und Freundschaft. Später griff er Husserl laut SEP in Seminaren und Briefen an und machte sich über ihn lustig.[6]
Lesetipps
- Einstieg
- Brief über den Humanismus (1947), kürzer und zugänglicher als Sein und Zeit, in dem Heidegger sich auch vom französischen Existenzialismus abgrenzt.
- Vertiefung
- Peter Trawny, Martin Heidegger, Eine Einführung (Campus, 2003). Zur Debatte: Peter Trawny, Heidegger und der Mythos der jüdischen Weltverschwörung (Klostermann, 2014).
Noch nicht sicher belegt
- Das Ende des Lehrverbots wird mit 1949 (Stanford Encyclopedia of Philosophy) oder 1951 (deutsche Wikipedia, Emeritierung am 26. September 1951) angegeben. Der Beginn der Assistenz bei Husserl wird mit 1919 oder 1920 angegeben. „Sein und Zeit“ wurde 1926 geschrieben und 1927 veröffentlicht.
- Die Kehre datiert die Stanford Encyclopedia nicht, die deutsche Wikipedia nennt die Zeit zwischen 1930 und 1938. Der Rektoratsbeginn am 21. April 1933 sowie der Entzug der Lehrbefugnis (19. Januar 1946) und seine Bestätigung (5. Oktober 1946) stehen nur in der deutschen Wikipedia, ebenso die Vertiefung der Kehre und die Denunziation zweier Kollegen, die nicht an einer zweiten Quelle geprüft wurde.
- Das Zitat ist gegen eine Textseite (GA 9: 313) geprüft, der Verlagsdruck wurde nicht eingesehen. Angst und Sein zum Tode nennt die deutsche Wikipedia nicht als Kernbegriffe; die Sorge als Grundstruktur steht nur dort. Gadamer als Schüler ist nur in der Stanford Encyclopedia belegt. Die Verbindungen zu Kierkegaard, Nietzsche und Brentano stützen sich nur auf die deutsche Wikipedia, die zu Husserl und Aristoteles entsprechen der Fachliteratur, sind aber nicht einzeln belegt. Die Husserl-Anekdote gehört quellenmäßig zu den Husserl-Seiten.
Wege durchs Netz
Heidegger: Im Alltag verlieren wir uns im Man, dem anonymen Mitmachen, und die eigene Endlichkeit holt uns daraus zurück.
Heidegger: Bevor wir etwas beschreiben, leben wir schon in einer Welt, die wir verstehen.
Herkunft der Daten: Grundbestand der Landkarte, Kritische Theorie, Existenzialismus, Kapitelzuordnungen und Ergänzungen (Auftrag 22.10.2026). Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Heidegger
- [1]Wikipedia de: Martin Heidegger und Stanford Encyclopedia of Philosophy: Martin Heidegger
- [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy: Martin Heidegger und Wikipedia de: Martin Heidegger
- [3]srf.ch/kultur/literatur/literatur-philosophie-und-antisemitismus-heideggers-schwarze-hefte · Webseite
- [4]Edmund Husserl · Wikipedia
- [5]salto.bz/de/article/05102021/heideggers-wahn · Webseite
- [6]Wikipedia de: Edmund Husserl und Stanford Encyclopedia of Philosophy: Husserl
- [7]Todtnauberg (Gedicht) (Wikipedia)
- [8]Entnazifizierung · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [9]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [10]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [11]Existentialism · Wikipedia