Aristoteles
384–322 v. Chr. · Stagira (Chalkidike), wirkte in Athen, Stageira, Athen, Chalkis
Kernidee in Kürze
Aristoteles fragt, was ein gutes menschliches Leben ausmacht, und antwortet mit Tugenden, die man durch Übung zu einer festen Haltung entwickelt. Das Ziel ist Eudaimonia, ein gelingendes Leben.
- Kapitel
- Klassisches Athen (redaktionell)
- Richtung
- Peripatetik belegt[7]
- Tugendethik belegt[8][9]
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Fachlexikon
- Eigener Artikel in der Stanford Encyclopedia of Philosophy
Kommt in diesen Denkwegen vor
Vertiefung
Wer Aristoteles war
Platons berühmtester Schüler, der in Athen das Lykeion gründete und die Tugendethik prägte.
Er ist Schüler Platons und löst sich von dessen Ideenlehre. Theophrast und Straton führen seine Schule weiter, und seine Schriften wirken bis in Spätantike und Mittelalter.
Kernidee genauer
Anders als Platon hält er es nicht für nötig, erst das Gute an sich zu erkennen.
Bekannt für
Man kennt ihn als Lehrer Alexanders des Großen (damals ein 13-jähriger Königssohn aus Makedonien) und als Begründer des Lykeion. Bekannt ist auch seine Lehre, dass Tugend die richtige Mitte zwischen Zuviel und Zuwenig ist.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Eudaimonia und die Funktion des Menschen
Aristoteles beginnt mit dem Glück im Sinn des Gelingens und fragt, was die besondere Aufgabe des Menschen ist. Seine Antwort lautet, dass ein gutes Leben im Gebrauch der Vernunft liegt, und das schließt die Tugenden ein. Wenn du dich fragst, wofür ein Team gut ist, nimmst du dieselbe Frage nach der Aufgabe in den Blick.
Tugend als Haltung
Die ethischen Tugenden wie Mut, Gerechtigkeit und Besonnenheit versteht er als Fertigkeiten des Gefühls, des Denkens und des Zusammenlebens, die durch Übung entstehen. Es gibt dafür kein Verfahren, man muss im Einzelfall erkennen, was angemessen ist. Eine Führungskraft lernt Mut deshalb nicht aus einem Handbuch, sondern durch viele kleine Entscheidungen.
Freundschaft und Politik
Die Nikomachische Ethik (eines seiner wichtigsten Werke, das fragt, worin das höchste Gut des Menschen besteht) behandelt Freundschaft und Lust als Teil des guten Lebens und bindet die Ethik an die Politik, weil Gesetze Menschen tugendhaft machen sollen. Selbstliebe ist nach Aristoteles angemessen, wenn sie sich auf die Tugend richtet. In einer Organisation heißt das, dass gute Strukturen und Beziehungen mehr bewirken als Appelle.
Begriffe
- Eudaimonia
- : das höchste Gut, um seiner selbst willen angestrebt: eine Tätigkeit der Seele gemäß der Tugend, über ein ganzes Leben
- Tugend
- : gefestigte seelische Grundhaltung, mit der man Gefühle und Triebe steuert, statt von ihnen beherrscht zu werden
- Tugend als Mitte
- : das richtige Maß zwischen zwei Extremen, etwa Mut zwischen Feigheit und Tollkühnheit, gefunden mit praktischer Klugheit
- Gewöhnung
- : der Weg zur Tugend: wiederholtes Handeln, wie man ein Musikinstrument durch Üben beherrschen lernt
- Lykeion
- : Park mit Gymnasion im Osten Athens, in dem Aristoteles ab 335 v. Chr. lehrte; ob er dort selbst eine Schule gründete, ist umstritten
- Peripatetiker
- : Angehörige der Schule des Aristoteles, benannt nach dem Peripatos, einer Wandelhalle, in der der Unterricht stattfand
- Logik
- : die Lehre vom folgerichtigen Schließen
- Logos
- : Logos ist ein griechisches Wort mit einem sehr weiten Bedeutungsfeld. Es heißt Wort und Rede, auch deren Sinn, außerdem die Vernunft als Fähigkeit und schließlich eine Vernunft oder Ordnung, die die ganze Welt durchzieht. Welche Bedeutung gemeint ist, hängt davon ab, wer das Wort gebraucht. Unser Wort „Logik“ kommt davon.
- Polis
- : Polis (griechisch, Mehrzahl Poleis) heißt der Stadtstaat im antiken Griechenland, etwa Athen oder Sparta. Gemeint ist eine meist kleine Bürgergemeinde aus einer Stadt und ihrem Umland, in der Politik, Religion und Kultur eng zusammenhingen und die sich mehr über ihre Bürger als über ihr Gebiet bestimmte. Von Polis kommt unser Wort „Politik“. Ob „Stadtstaat“ die passende Übersetzung ist, ist in der Forschung umstritten. Für Aristoteles ist die Polis eine Gemeinschaft von Bürgern, die groß genug ist, um sich selbst zu genügen, und ihr Ziel ist das gute Leben. Wer von Natur aus ohne Polis lebt, ist nach ihm weniger oder mehr als ein Mensch.
- Substanz
- : Substanz (von lateinisch substantia, das Darunterstehende) heißt in der Philosophie das, was selbstständig für sich besteht. Sie unterscheidet sich von Eigenschaften, die es nur an etwas anderem gibt: Die Röte eines Apfels kommt nur am Apfel vor, der Apfel ist das Ding, das sie trägt. Der Begriff geht auf Aristoteles zurück, der einzelne Dinge wie einen bestimmten Menschen als Substanzen im ersten Sinn bezeichnet. In der Neuzeit wird er für Descartes und Spinoza zentral, die ihn verschieden fassen. Die Empiristen sind skeptisch: Locke nennt den Träger der Eigenschaften etwas Angenommenes, das wir nicht kennen, und Hume hält die Vorstellung einer gleichbleibenden Substanz für eine Erfindung der Einbildungskraft.
- Telos
- : Telos ist das griechische Wort für Ziel, Zweck oder Ende. Aristoteles meint damit das, worauf etwas von Natur aus angelegt ist und von dem her man es erst versteht: Ein Messer ist zum Schneiden da, und aus einer Eichel soll eine Eiche werden. Auch Handlungen und Berufe haben ein Telos, wobei kleinere Ziele größeren dienen. Das Telos des Menschen ist nach Aristoteles ein glückliches Leben, das auf Tugend beruht, und erreichen kann er es nur in einer gut geordneten Gemeinschaft.
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
77 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 71 belegt, 4 Deutung, 2 überliefert). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: hat Aristoteles unterrichtet.
PlatonPrüfstand: belegt
Aristoteles kam mit etwa siebzehn Jahren an Platons Akademie und blieb dort bis zu Platons Tod im Jahr 347 vor Christus. Platon war sein Lehrer und gab ihm einen Beinamen, der ihn als klügsten Kopf der Schule auszeichnete.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Speusippos von AthenPrüfstand: belegt
Beide gehörten der Akademie Platons an; nach Platons Tod wurde Speusippos Leiter der Schule, Aristoteles verließ Athen, und er stimmte mit Speusippos nicht überein.
Theophrast von EresosPrüfstand: belegt
Theophrast war Aristoteles' enger Kollege und Nachfolger im Lykeion, die beiden begegneten sich in Platons Akademie. Er war Mitarbeiter von Aristoteles auf Lesbos.
Xenokrates von ChalkedonPrüfstand: belegt
Aristoteles verließ nach Platons Tod gemeinsam mit Xenokrates Athen und ging zu Hermias. Das gilt als möglich, und beide werden als Gäste in Assos genannt.
Kritisiert
Aristoteles kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Demokrit von AbderaPrüfstand: belegt
Aristoteles kritisiert Demokrit dafür, dass er für die Atombewegung keinen Anfang erklärt, und sieht in ihm einen Rivalen in der Naturphilosophie. Gleichzeitig lobt er ihn für seine naturphilosophischen Gründe.
IsokratesPrüfstand: überliefert
Antike Berichte überliefern den Spruch des Aristoteles, es sei schändlich zu schweigen, während Isokrates redet, und eine Antwort aus dem Kreis des Isokrates; Isokrates selbst erwähnt Aristoteles nirgends, und manche Fachleute halten die Feindschaft für übertrieben.
Melissos von SamosPrüfstand: belegt
Aristoteles nannte die Arbeit des Melissos "ein wenig plump" und warf ihm ungültige Argumente aus falschen Annahmen vor.
PlatonPrüfstand: belegt
Aristoteles lehnt Platons Ideenlehre und besonders die Idee des Guten ab; ein solches Gut wäre nach ihm kein Ziel, das Menschen durch Handeln erreichen können.
Prodikos von KeosPrüfstand: belegt
In der Topik führt Aristoteles Prodikos' Einteilung der Lust in Freude, Ergötzen und gute Laune als Fehler vor, weil dort verschiedene Namen für eine einzige Sache für verschiedene Dinge gehalten werden.
Zenon von EleaPrüfstand: belegt
Aristoteles sagt in der Physik (6.9), Zenon schließe fehlerhaft, und er halte dessen Annahme über die Zeit für falsch. Er nannte ihn zugleich den Erfinder der Dialektik.
Wird kritisiert von
Kritik an einer bestimmten These von Aristoteles. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Bernardino TelesioPrüfstand: belegt
Telesio übte strenge Kritik an der aristotelischen Naturphilosophie, warf Aristoteles vor, auf Spekulation statt auf Wahrnehmung zu setzen, und lehnte dessen Begriffe Stoff und Form sowie die Seelenlehre ab.
Chasdai CrescasPrüfstand: belegt
Crescas' wichtigster Beitrag besteht in seiner Kritik an der aristotelischen Wissenschaft, und er widerlegt zum Beispiel Aristoteles' Beweise gegen die Existenz des Unendlichen.
Christine de PizanPrüfstand: belegt
Im „Buch von der Stadt der Frauen“ heißt es, auch die größten Philosophen hätten geirrt und einander widersprochen: Selbst Aristoteles, der „Fürst der Philosophen“, sei von Augustinus und anderen Kirchenlehrern in manchen Punkten berichtigt worden. Man dürfe die Worte der Philosophen nicht wie Glaubenssätze nehmen, als könnten sie nicht irren. Nach einer Darstellung dient ihr dieser Zweifel an der Autorität der Philosophen dazu, die besonders im aristotelischen Umfeld verbreitete These zurückzuweisen, die weibliche Form sei unvollkommen.
Francesco Patrizi da ChersoPrüfstand: belegt
Patrizi war ein führender Kritiker des Aristotelismus seiner Zeit; seine Peripatetischen Diskussionen enthalten eine gründliche Kritik an Aristoteles. Er war ein scharfer Gegner des Aristotelismus.
Francisco SanchesPrüfstand: belegt
Sanches lehnt die scholastische Annahme ab, der aristotelische Syllogismus sichere den Zugang zur Wahrheit, und will keinem Autor wie Aristoteles folgen. Seine Kritik zielt damit vor allem auf die scholastische Aristoteles-Nutzung.
Galileo GalileiPrüfstand: belegt
Galileis Saggiatore von 1623 greift Theorien an, die auf der Autorität des Aristoteles beruhen. Dazu kommen seine Beobachtungen und Fallversuche, die Aristoteles' Lehre widersprechen.
Georgios Gemistos PlethonPrüfstand: belegt
Plethons Schrift von 1439 wollte zeigen, wie unterlegen Aristoteles gegenüber Platon ist. Sie ist eine Kampfschrift.
Gregorios PalamasPrüfstand: belegt
Palamas hält die aristotelische Logik für unfähig, sicheres Wissen zu liefern, weil ihre Prämissen auf begrenzter Sinneswahrnehmung beruhen; er kritisiert auch Aristoteliker.
Jehuda HaleviPrüfstand: belegt
Der Chasarenkönig wirft im Kuzari Aristoteles und seinen Anhängern vor, der Natur Weisheit und Wirkkraft zuzuschreiben.
Juan Luis VivesPrüfstand: belegt
Vives legt in De causis corruptarum artium ausführlich dar, dass die Ethik des Aristoteles mit ihrem weltlichen Verständnis von Glück und Tugend mit dem Christentum unvereinbar sei. Außerdem verfasste er Schriften gegen den an Aristoteles gebundenen Autoritätsglauben, wobei Vives in Physik und Seelenlehre zugleich aristotelisch blieb.
Lorenzo VallaPrüfstand: belegt
Valla kritisiert die aristotelische Naturphilosophie und verwirft viele ihrer Kernlehren; er greift Aristoteles in scharfen Worten an, weil dessen Lehre Gottes Macht schmälere.
Lucrezia MarinellaPrüfstand: belegt
Marinella ist sehr kritisch gegenüber Aristoteles, den sie als Ursprung der frauenfeindlichen Tradition sieht, und will ihn zugleich nutzen und widerlegen. Sie weist die aristotelische Lehre von den kalten Körpersäften der Frauen zurück, nutzt aber andere Aussagen von ihm zur Stütze.
Mullā ṢadrāPrüfstand: belegt
Mullā Ṣadrā kritisiert eine aristotelische Metaphysik, die annimmt, dass der Grundstoff der Wirklichkeit aus Substanzen besteht, und setzt eine Metaphysik des Wandels entgegen, die auf dem Sein beruht.
Niccolò MachiavelliPrüfstand: belegt
Machiavelli stellte sich im Gegensatz zu Platon und Aristoteles auf den Standpunkt, ein bestes Staatswesen lasse sich nicht verwirklichen. Unter Berufung auf Pinzani verwirft er die aristotelische Bestimmung des Menschen als politisches Wesen.
Petrus RamusPrüfstand: belegt
Ramus kämpfte von Jugend an gegen die Scholastik und ihre Auslegung des Aristoteles; mal behauptete er, der wahre Aristoteliker zu sein, mal, die ganze aristotelische Tradition sei im Unrecht. Aristoteles selbst griff er nur selten unmittelbar an.
René DescartesPrüfstand: belegt
Descartes lehnt die damals herrschende scholastisch-aristotelische Lehre von Form und Materie sowie von realen Qualitäten ab. Er ersetzt das teleologische Weltbild des Aristoteles durch ein kausales; er habe aber Aristoteles selbst kaum gelesen, wohl aber die Scholastik, die sich auf ihn berief.
Saadia GaonPrüfstand: belegt
Saadia verteidigt die Schöpfung der Welt aus dem Nichts gegen Aristoteles' Lehre von der ewigen Welt und zeigt die Schwächen dieser Lehre auf, ohne Aristoteles im Text beim Namen zu nennen.
Thomas HobbesPrüfstand: belegt
Hobbes verteidigte materialistische Positionen gegen aristotelische Alternativen und griff Ansichten der scholastisch-aristotelischen Tradition als fehlerhaft an; vermutlich hatte er dabei Aristoteles selbst und die Aristoteliker im Blick. Seine heftige Ablehnung der mittelalterlich-aristotelischen Logik und Staatstheorie ist bekannt.
Tommaso CampanellaPrüfstand: belegt
Die Kritik an Aristoteles gehört zu Campanellas Anfängen, weil er Telesios neue Naturphilosophie gegen die aristotelische Tradition verteidigt.
Grundlage für
Übernehmen oder entwickeln einen Gedanken von Aristoteles weiter, meist über Texte.
Abu Hamid Muhammad al-GhazaliPrüfstand: belegt
Ghazalis Annahme des Beweises (Demonstration) führte zu einer Blüte aristotelischer Logik, und man verdankt ihm die Einführung der aristotelischen Logik in Rechtswissenschaft und Theologie.
Abu Nasr Muhammad al-FarabiPrüfstand: belegt
Al-Farabi heißt der „zweite Meister“ nach Aristoteles, und er ordnet die Wissenschaften nach der aristotelischen Reihenfolge. Sein Urteil über die Bereiche des menschlichen Wissens sei stark von Aristoteles beeinflusst.
Abu Yusuf Yaqub ibn Ishaq al-KindiPrüfstand: belegt
Aristoteles war al-Kindis wichtigste Autorität in philosophischen Fragen, und die aristotelische Metaphysik prägt sein Werk Über die Erste Philosophie stark.
Alasdair MacIntyrePrüfstand: belegt
MacIntyre will eine auf Tugenden gegründete aristotelische Moralphilosophie wiederbeleben und verteidigt die aristotelischen Güter der Vortrefflichkeit gegen die Moderne.
Albertus MagnusPrüfstand: belegt
Albert schrieb erklärende Paraphrasen zu allen verfügbaren Werken des Aristoteles, beginnend mit der Physik.
Augustinus von HippoPrüfstand: belegt
Augustinus las als junger Mann die Kategorien des Aristoteles und übernahm später, vermittelt über Ciceros Hortensius, Gedanken aus dem Protreptikos des Aristoteles, die er für seine eigene Lehre vom glücklichen Leben umformte; sein Wissen über Aristoteles blieb dabei begrenzt und mittelbar.
G. E. M. Anscombe (Elizabeth Anscombe)Prüfstand: belegt
Anscombe erneuert in ihrem Buch Intention den Begriff der Absicht auf der Grundlage einer Aristoteles-Deutung.
Gerolamo CardanoPrüfstand: belegt
Cardano verbindet in seiner Ethik eklektisch Aristoteles' Begriff des tugendhaften Lebens mit stoischen und epikureischen Gedanken, verwirft aber die aristotelische Urmaterie.
Giovanni Pico della MirandolaPrüfstand: belegt
Pico behielt große Achtung vor Aristoteles, wollte Platon und Aristoteles versöhnen und verband in seinen Thesen Aristotelismus mit Platonismus. Er wollte unter der Oberfläche von Aristoteles' Denken den Platonismus finden.
Ibn Ruschd (Averroes)Prüfstand: belegt
Ibn Ruschd hielt Aristoteles für den maßgebenden Führer der Philosophie und kommentierte fast das gesamte aristotelische Werk, auf Bitten des almohadischen Herrschers.
Ibn Sina (Avicenna)Prüfstand: belegt
Avicennas System führt die hellenische Tradition fort, und seine Logik geht erkennbar auf Aristoteles' Zweite Analytiken zurück.
Jacopo ZabarellaPrüfstand: belegt
Zabarella wollte einen geschlossenen Bau aristotelischer Logik und Naturphilosophie errichten, und er war ein Anhänger des Aristotelismus, der mehrere Aristoteles-Kommentare verfasste.
Johannes BuridanPrüfstand: belegt
Buridan hielt Vorlesungen über Aristoteles und schrieb Kommentare zu dessen Werken.
Karl MarxPrüfstand: belegt
Marx nennt im „Kapital“ Aristoteles den großen Denker, der als Erster die Wertform untersucht hat, und greift dessen Gedanken auf, dass Tausch Gleichheit und damit Vergleichbarkeit voraussetzt.
Marsilius von PaduaPrüfstand: belegt
Aristoteles ist der am häufigsten zitierte weltliche Autor im Defensor pacis, und Marsilius verbindet dessen Gedanken mit anderen Quellen.
Martha NussbaumPrüfstand: belegt
Nussbaum schrieb ihre Doktorarbeit über ein Werk des Aristoteles, bezeichnet sich als Aristotelikerin und stellt die Frage nach dem guten Leben ins Zentrum.
Michel de MontaignePrüfstand: belegt
Im Essay „Über die Freundschaft“ (Essais I,28) übernimmt Montaigne ausdrücklich die Bestimmung der vollkommenen Freundschaft als einer Seele in zwei Körpern und nennt sie eine sehr treffende Bestimmung des Aristoteles; er beruft sich auch auf dessen Hinweis, gute Gesetzgeber hätten die Freundschaft höher geachtet als die Gerechtigkeit. Im Maßstab geht er eigene Wege, denn für ihn ist eine Verbindung umso weniger Freundschaft, je mehr Nutzen, Lust oder ein anderer Zweck beigemischt ist.
Moses MaimonidesPrüfstand: belegt
Maimonides stützte sich vor allem auf die Wissenschaft des Aristoteles und war von ihm beeinflusst; seine Philosophie wird als von Aristoteles geprägt gedeutet.
Petrus HispanusPrüfstand: belegt
Das Lehrbuch führt die Logik des Aristoteles fort: Seine Quellen reichen zurück auf die Logik des Boethius und des Aristoteles, und der dritte Teil behandelt die zehn Kategorien des Aristoteles.
Philippa FootPrüfstand: belegt
Foot knüpft an die Ethik des Aristoteles an und erneuert sie als Grundlage einer Ethik der Tugenden, die sich auf das Leben der Menschen als Art bezieht.
Pietro PomponazziPrüfstand: belegt
Pomponazzi entwickelte neue Ansätze in der aristotelischen Naturphilosophie und Psychologie und suchte eine reinere Deutung des Aristoteles. In der Schrift über die Unsterblichkeit der Seele argumentiert er zudem aus aristotelischen Prinzipien.
PlotinPrüfstand: belegt
Plotin beantwortet ständig Einwände des Aristoteles gegen Platon und baut dessen Grundergebnisse in seinen Platonismus ein.
Roger BaconPrüfstand: belegt
Bacon lehrte in Paris über Aristoteles und verfasste Fragen zu dessen Physik und Metaphysik. Aristoteles' Metaphysik, Zweite Analytik und Meteorologie bilden zusammen mit der Optik Ibn al-Haythams den Hintergrund seiner späteren Erfahrungswissenschaft.
Rosalind HursthousePrüfstand: belegt
Hursthouse entwickelt eine neo-aristotelische Tugendethik, in der Tugenden Charakterzüge für ein gutes Leben im Sinn der eudaimonia sind.
Shannon VallorPrüfstand: belegt
Vallor stützt ihre Tugendethik der Technik unter anderem auf die aristotelische Tradition; ihr Begriff des moralischen Verlernens beruht laut Hovd wesentlich auf Aristoteles' Bestimmung der tugendhaften Handlung.
Straton von LampsakosPrüfstand: belegt
Straton verstärkte die naturalistischen Züge im Denken des Aristoteles und widersprach ihm zugleich in Einzelfragen wie Zeit und Ort.
Thomas von AquinPrüfstand: belegt
Thomas schrieb Kommentare zu den meisten Hauptwerken des Aristoteles und folgt ihm etwa bei der Unterscheidung von möglichem und tätigem Verstand. Das aristotelische Denken ist vor allem die Grundlage seiner Theologie.
Wilhelm von OckhamPrüfstand: belegt
Ockham schrieb Kommentare zu Aristoteles' Logik und Physik, und seine Naturphilosophie ist im Kern aristotelisch, auch wenn er Aristoteles eigenständig auslegt.
William David RossPrüfstand: belegt
Ross konnte sich Aristoteles' Einfluss nicht entziehen und war von dessen Methode und dem Rückgriff auf die Meinung der Vielen und der Weisen beeindruckt.
Untersucht
Aristoteles untersucht, kommentiert oder deutet das Werk, ohne die Gedanken als eigene Position weiterzuführen.
untersucht Archytas von TarentPrüfstand: belegt
Aristoteles schrieb ein Werk in drei Büchern über die Philosophie des Archytas und behandelte ihn als eigenständigen Denker. Das ist ein Untersuchen seiner Lehre, kein Aufbauen auf ihr, deshalb ändert sich der Typ.
untersucht HesiodPrüfstand: belegt
Aristoteles zitiert in der Metaphysik Verse Hesiods und fragt, ob Hesiod als Erster nach einer Ursache der Bewegung gesucht habe; er deutet also Hesiods Werk im Rückblick auf seine Vorgänger, entwickelt aber keinen Gedanken Hesiods weiter, deshalb wird der Typ zu untersucht geändert.
untersucht Thales von MiletPrüfstand: belegt
Aristoteles nennt in der Metaphysik (983b) Thales den Ersten, der nach Ursachen und Prinzipien der Natur fragte, und schreibt ihm das Wasser als ersten Grund zu. Aristoteles berichtet und bewertet hier die Lehre des Thales, er untersucht sie also.
Untersucht von
Untersucht, kommentiert oder deutet das Werk von Aristoteles, ohne es als eigene Position weiterzuführen.
untersucht von Anicius Manlius Severinus BoethiusPrüfstand: belegt
Boethius übersetzte die logischen Schriften des Aristoteles ins Lateinische und schrieb Kommentare dazu.
untersucht von Basilius BessarionPrüfstand: belegt
Bessarion übersetzte zwischen 1446 und 1451 die Metaphysik, die Übersetzung wurde vielfach nachgedruckt. In seiner Deutung erscheint Aristoteles als Naturphilosoph.
untersucht von Elizabeth V. SpelmanPrüfstand: belegt
Die ersten Kapitel von „Inessential Woman“ untersuchen auch Aristoteles' Philosophie und fragen, wie sie auf Frauen und Sklaven bezogen ist.
untersucht von Hypatia von AlexandriaPrüfstand: überliefert
Hypatia hielt nach dem antiken Bericht des Damascius Vorlesungen über die Schriften von Platon und Aristoteles. Das beschreibt Lehre über Aristoteles, kein Weiterführen seiner Position.
untersucht von Ibn Bājja (Avempace)Prüfstand: belegt
Ibn Bājja kommentierte die naturphilosophischen Schriften des Aristoteles, darunter die Physik, sehr frei und schrieb eigene Abhandlungen.
untersucht von John Langshaw AustinPrüfstand: belegt
Aristoteles gehörte zu Austins frühen Interessen, und seine Lehre zu Aristoteles' Nikomachischer Ethik ist durch erhaltene Vorlesungsnotizen belegt, die später herausgegeben wurden; das entspricht einer Auseinandersetzung mit dem Werk, nicht einem Weiterführen als eigene Position.
untersucht von Leonardo BruniPrüfstand: belegt
Bruni übersetzte Werke des Aristoteles ins Lateinische, darunter die Politik, und machte sie damit neu zugänglich.
untersucht von Martin HeideggerPrüfstand: belegt
Heidegger hielt nach Sein und Zeit Vorlesungen über das Zeitproblem bei Aristoteles und sah bei Platon und Aristoteles den Beginn der Metaphysik. Er schrieb 1922 mit dem Natorp-Bericht die Skizze eines Buchs über Aristoteles; dass er ausdrücklich auf Aristoteles aufbaut, wird nicht gesagt, es zeigt sich eine eingehende Auslegung seines Werks.
untersucht von Michael PsellosPrüfstand: belegt
Psellos kommentierte und paraphrasierte Schriften aus dem aristotelischen Organon (Peri hermeneias, Erste Analytiken).
untersucht von Peter AbaelardPrüfstand: belegt
Abaelard verfasste einen Kommentar zu den Kategorien des Aristoteles und behandelt dessen Logik.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Herbert A. SimonPrüfstand: Deutung
Aristoteles und Simon lassen sich bei der Frage nebeneinanderstellen, wann etwas genügt: Aristoteles sucht die Mitte relativ zu uns und nur so viel Genauigkeit, wie die Sache zulässt, Simon beschreibt das Aufhören bei einem vorher gesetzten Anspruchsniveau. Aristoteles spricht dabei über Charaktertugenden und die Genauigkeit einer Untersuchung, Simon über Entscheidungsverfahren. Die Gegenüberstellung ist redaktionell.
KonfuziusPrüfstand: belegt
Vergleich als Tugendethiken, Tugendethik wird unter seinen Ideen genannt
Mengzi (Menzius, Meng Ke)Prüfstand: Deutung
Wie Aristoteles betont Mengzi die Pflege von Tugenden und Weisheit als flexible Antwort auf Situationen; anders als bei Aristoteles ist für ihn das Familienleben ein eigener Teil des guten Lebens. Ein geschichtlicher Einfluss ist nicht behauptet.
Niccolò MachiavelliPrüfstand: Deutung
Machiavellis nüchterne Politikwissenschaft wird der wertgebundenen Politiklehre des Aristoteles gegenübergestellt; Machiavelli selbst nennt Aristoteles in den Discorsi nur einmal und setzt sich nicht ausdrücklich mit ihm auseinander.
Zhu XiPrüfstand: Deutung
Wegen seines Hangs zu Ordnung und System verglichen Forscher des 20. Jahrhunderts Zhu Xi mit Platon, Aristoteles und Thomas von Aquin. Eine historische Verbindung ist nicht behauptet.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Nach Alexanders Tod wuchs in Athen die Abneigung gegen Makedonien. Aristoteles wurde der Gottlosigkeit angeklagt und floh 322 v. Chr. nach Chalkis, der Heimatstadt seiner Mutter auf der Insel Euböa.[2]
Abhängigkeit Deutung
Er kam auf Bitte Philipps II. an den makedonischen Hof und unterrichtete dessen Sohn Alexander. Das kann sein Verhältnis zu Politik und Macht geprägt haben.[2]
Biografie belegt
Sein Vater war Leibarzt des makedonischen Königs. Das gilt als Grund für sein frühes Interesse an Biologie und Medizin.[2]
Kritik
Seine Tugendethik liefert keine festen Regeln für den Einzelfall, was im Text selbst so angelegt ist: Es gibt dafür kein Entscheidungsverfahren (SEP). Platon und seine Schule hielten dagegen das Wissen vom Guten für nötig. Seine Naturlehre ist von der neuzeitlichen Wissenschaft überholt.
Wirkung heute
Seine Tugendethik kehrt in der modernen Philosophie wieder, bei Anscombe, MacIntyre und Murdoch. Die Idee, dass Charakter durch Gewöhnung entsteht, trägt jede Personalentwicklung.
Brücke zu Führung und Coaching
Aristoteles legt nahe, Eigenschaften wie Mut oder Fairness im Team nicht nur zu fordern, sondern zu üben. Frage dich: In welchen kleinen Situationen dieser Woche habe ich Mut gezeigt oder verpasst? Und: Welche Gewohnheit würde ich im Team einführen, damit gutes Verhalten zur Normalität wird?
Lebensstationen
- 384 v. Chr.Geburt in Stagira
- 367 v. Chr.Kommt mit etwa 17 Jahren in Platons Akademie (ungefähr)
- 347 v. Chr.Platons Tod, Aristoteles geht nach Assos
- 343 v. Chr.Unterricht für Alexander in Makedonien
- 335 v. Chr.Gründung des Lykeion in Athen
- 322 v. Chr.Flucht nach Chalkis und Tod
Werke
- Nikomachische Ethik (4. Jh. v. Chr.)
- Metaphysik (4. Jh. v. Chr.)
Nikomachische Ethik und Eudemische Ethik (Reihenfolge nicht sicher, die Nikomachische gilt als spätere Fassung)
außerdem Schriften zu Logik, Naturforschung, Rhetorik und Politik. Die genaue Datierung der Werke ist offen.
Anekdote überliefert
Als man ihn 322 v. Chr. anklagte, soll er gesagt haben, er wolle den Athenern nicht erlauben, sich ein zweites Mal an der Philosophie zu versündigen. Gemeint war die Hinrichtung des Sokrates.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- Aristoteles, Nikomachische Ethik, übers. von Ursula Wolf, Rowohlt 2006: gut kommentierte Übersetzung.
- Vertiefung
- Otfried Höffe, Aristoteles, C.H.Beck (Reihe Denker), 4. Aufl. 2014.
Noch nicht sicher belegt
- Die Gründe für seinen Weggang 347 sind nur überliefert.
- Der Eintritt in die Akademie (um 367) ist aus der Angabe „etwa 17 Jahre“ abgeleitet.
- Die Entstehungsjahre seiner Werke sind offen.
Wege durchs Netz
Aristoteles: Tugend entsteht durch Übung, das Ziel ist ein gelingendes Leben.
Aristoteles: Für ein gutes Leben muss man nicht erst das Gute an sich erkennen.
Aristoteles: Tugenden sind Haltungen, die man durch Übung erwirbt.
Herkunft der Daten: Grundbestand der Landkarte, Klassisches Athen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Aristoteles
- [1]Aristotle · Stanford Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-22
- [2]Aristotle · Wikipedia, abgerufen 2026-10-22
- [3]Aristotle’s Ethics · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [4]Aristoteles · Wikipedia, abgerufen 2026-10-22
- [5]Nikomachische Ethik · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [6]Peripatetiker · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [7]Peripatos · Wikipedia, abgerufen 2026-10-21
- [8]Tugendethik · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [9]Virtue Ethics · Stanford Encyclopedia of Philosophy